Was Strom wirklich kostet

von | 10.12.2018 | Lösungen | 0 Kommentare

Vögel auf Stromleitung

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sagen: Der Ausbau der Erneuerbaren ist wichtig bis sehr wichtig

Beliebte Energiewende

Wirft man einen Blick auf die Strompreise in Europa und hat gleichzeitig das ehrgeizige Projekt Energiewende in Deutschland vor Augen, so entsteht zunächst der Eindruck: Die Energiewende treibt die Stromkosten in Deutschland nach oben.

Umso erfreulicher ist es, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Deutschland von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung begrüßt wird. Das belegen Zahlen einer repräsentativen Umfrage,  die Kantar Emnid 2018 im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) durchgeführt hat. Sie zeigte: 93 Prozent der Befragten empfinden den Ausbau der Erneuerbaren als wichtig bis außerordentlich wichtig.

Menschen wollen mehr Tempo beim Wandel

Mehr noch:  Die Energiewende komme in Deutschland nicht gut voran. Das meinen laut dem im Mai 2018 veröffentlichten Energiemonitor des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) jedenfalls 64 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Diese Ungeduld nimmt sogar zu: 2016 war nur gut die Hälfte (52 Prozent) der Deutschen der Meinung, dass die Energiewende weniger gut oder nicht gut vorankomme. Das waren noch 12 Prozentpunkte weniger als 2018.

Nicht nur in Deutschland sind Menschen dieser Meinung. Nach Erkenntnissen der Stiftung Energie & Klimaschutz ist die Zustimmung in allen Industriestaaten ähnlich hoch.

Energiewende-Gegner machen Druck

Allerdings machen die Gegner der Erneuerbaren mobil. Insbesondere neue Windparks haben es schwer. Sie stoßen auf Gegenwind von Bürgerinitativen. Manche möchten einfach keine Energieproduktion vor ihrer eigenen Haustür. Photovoltaik hat dabei eine höhere Akzeptanz als Windkraft. Andere sind der Meinung, der Klimawandel sei erfunden.

Einen Beitrag zur Versachlichung möchte nicht nur die Stiftung Energie und Klimaschutz leisten. Zahlreiche weitere Dialogangebote reihen sich ein, weltweit. Sie werben für den Wandel hin zu Erneuerbaren und versuchen Mythen und Vorurteile auszuräumen.

Die EEG-Umlage begünstigt Missverständnisse

Doch eines der größten Missverständnisse rund um die Energiewende geht auf eine politische Maßnahme zurück: die EEG-Umlage auf Basis des Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Diese Umlage, die Ökostrom teurer macht, stieg von 0,41 Cent pro Kilowattstunde im Jahr 2003 auf 6,41 Cent im Jahr 2019. Mit ihr werden die Kosten aus der Stromerzeugung mit Erneuerbaren Energien auf die Verbraucher umgelegt.

Von der EEG-Umlage sind Unternehmen ausgenommen, die besonders viel Strom benötigen. 2017 profitierten laut dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) 2.092 Unternehmen von der Ausnahmeregelung. 1.955 davon gehören zum produzierenden Gewerbe zu, 137 zum Segment „Schienenbahnen“.

Privathaushalte und nicht privilegierte Unternehmen müssen für diese EEG-Privilegierten indirekt mitbezahlen.

Forscher des RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung haben herausgefunden: Würden diese Privilegien wegfallen, so stiege die Akzeptanz für die EEG-Umlage in der Bevölkerung massiv.

Das Vorgehen der Forscher war unkonventionell: Ihre 11.000 Befragten teilten die Studienautoren in zwei Gruppen ein. Einer Testgruppe wurde mitgeteilt, dass die Ausnahmeregelungen für die energieintensive Industrie wegfallen, der anderen erklärten sie, die Regeln würden bestehen bleiben.

Ergebnisse der EEG-Akzeptanz Umfrage:

  • In der Gruppe, die davon ausging, dass die Ausnahmen bestehen bleiben, lag die Bereitschaft dazu, höhere EEG-Umlagekosten zu tragen, zwischen 23 und 38 Prozent.
  • Einer anderen Gruppe sagten die Forscher, die Ausnahmen fielen künftig weg. Ergebnis: Unter denjenigen, die davon ausgingen, dass die Sonderregeln wegfallen, waren demnach zwischen 61 und 74 Prozent bereit, für diesen Fall mehr für den regenerativen Strom zu bezahlen, je nach Höhe des Aufschlags. Zur Wahl standen 1 Cent, 2 Cent oder 4 Cent pro kWh.

Nach Interpretation der Forscher deuten die Ergebnisse darauf hin, dass eine Abschaffung der Ausnahmeregelungen, etwa durch deren Steuerfinanzierung, ein entscheidendes Kriterium für die Akzeptanz weiterer Erhöhungen der EEG-Umlage sein könnte.

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Strompreise in Europa

Das Diagramm zeigt die Strompreise für private Haushalte (einschließlich aller Steuern), zweites Halbjahr 2017. Quelle: eurostat, dort finden sich auch Zahlen zu Nichthaushaltskunden sowie Begriffsdefinitionen und weitere Erläuterungen zur Methodik.

  • Ukraine: 3,8
  • Kosovo: 6,5
  • Serbien: 6,9
  • Mazedonien: 8,1
  • Albanien: 8,6
  • Türkei: 9,6
  • Bulgarien: 9,8
  • Montenegro: 10,0
  • Moldawien: 10,1
  • Litauen: 11,0
  • Ungarn: 11,3
  • Kroatien: 12,3
  • Rumänien: 12,9
  • Estland: 13,2
  • Malta: 13,6
  • Slowakei: 14,4
  • Polen: 14,5
  • Tschechische Republik: 14,9
  • Island: 15,2
  • Niederlande: 15,6
  • Lettland: 15,8
  • Finnland: 16,0
  • Norwegen: 16,1
  • Slowenien: 16,1
  • Luxemburg: 16,2
  • Griechenland: 16,2
  • Frankreich: 17,6
  • Zypern: 18,3
  • Vereinigtes Königreich: 18,6
  • Schweden: 19,9
  • Italien: 20,4
  • Spanien: 21,8
  • Portugal: 22,3
  • Irland: 23,6
  • Belgien: 28,8
  • Dänemark: 30,1
  • Deutschland: 30,5
Metallbearbeitung mit hohem Energiebedarf, Funken sprühen

Von der EEG-Umlage sind Unternehmen ausgenommen, die besonders viel Strom benötigen. Würden diese Ausnahmen wegfallen, so stiege offensichtlich die Akzeptanz für die EEG-Umlage sehr deutlich an.

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Akzeptanz für eine 4 Cent höhere EEG-Umlage ohne den Wegfall von Privilegien für stromintensive Unternehmen

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Akzeptanz für eine 4 Cent höhere EEG-Umlage beim Wegfall von Privilegien

Verzerrende Wirkung der EEG-Umlage

Einen wertvollen Beitrag zur Akzeptanz der Energiewende können auch Studien leisten, die darlegen, dass die EEG-Umlage eine verzerrende Wirkung hat. Dafür gibt es viele Gründe. Ein gewichtiger Faktor ist: Bei den konventionellen Energieträgern werden die Kosten eben nicht so transparent ausgewiesen und in Form einer Umlage deklariert und eingefordert.

Kernkraft und Kohle verursachen gesellschaftliche Folgekosten, die von den Energieversorgern nicht in die Kalkulation einbezogen werden. Über Jahrzehnte und auch heute noch verursachen diese Energieträger hohe Kosten, die nicht auf unserer Stromrechnung landen. Diese Kosten werden sie von der Allgemeinheit in Form von Steuern finanziert. Nur: Darüber wird nicht so viel gesprochen wie über die transparente EEG-Umlage.

Von Berlin aus betreibt das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) bundesweit Aufklärung in Sachen EEG-Umlage. Im Auftrag der Genossenschaft Greenpeace Energy erstellt das FÖS regelmäßig Studien über die aus seiner Sicht tatsächlichen Kosten diverser Energieträger.

Hartgesottene Energiewende-Gegner mögen mit den Ergebnissen nicht zu überzeugen sein. Doch Unentschlossene dürften die Ergebnisse mit Interesse lesen.

Gedankenspiel: die Konventionelle-Energien-Umlage läge bei 11 Cent

So verrät die aktuelle Ausgabe der Studie „Was Strom wirklich kostet“ (PDF, Ausgabe Oktober 2017), dass die Gesellschaft pro Kilowattstunde Strom je nach Energieträger durchaus erhebliche Kosten zu tragen hat.

Die Studie versucht, all diese Kosten zu erfassen. Im nächsten Schritt schaut sie, was davon auf der Stromrechnung landet – und was dann noch übrig bleibt, also vom Steuerzahler getragen wird.

Es gibt ja keine „Konventionelle-Energien-Umlage“, sondern nur eine „Erneuerbare-Energien-Umlage.“ Der Staat, so die Studienautoren, fördere jedoch auch die konventionellen Energiequellen, und zwar 2016 / 2017 mit jeweils rund 40 Mrd. EUR. Nur landen diese Kosten nicht auf der Stromrechnung.

Was wäre nun, wenn diese vom Staat getragenen Kosten Konventioneller Energien ebenfalls als Umlage von den Verbrauchern bezahlt werden müssten? Wenn es auch hier eine Umlage gäbe?

Heraus kommt eine (real nicht existierende) „Konventionelle-Energien-Umlage“.

Deren Höhe hätte im Jahr 2016 bei umgerechnet 11,4 Cent pro Kilowattstunde gelegen. Für das Jahr 2017 geht die Studie von einem Wert aus, der voraussichtlich in der gleichen Größenordnung bei ca. 10,1–11,5 Ct/kWh liegen wird.

Zum Vergleich: Die EEG-Umlage für die Erneuerbaren lag 2016 / 2017 bei 6,35 und 6,88 Cent.

Eine „Konventionelle-Energien-Umlage“ müsste also fast doppelt so hoch sein wie die „Erneuerbare-Energien-Umlage“ (siehe auch Balkendiagramm).

Zusätzlich haben die Studien-Autoren herausgearbeitet, in welchem Umfang die verschiedenen Energieträger staatliche Förderung genossen haben. Im Betrachtungszeitraum 1970 bis 2016 führt Steinkohle die Reihe der Profiteure mit 337 Mrd. EUR an, gefolgt von Atomenergie mit 237 Mrd. Die Erneuerbaren landen mit 146 Mrd. auf Platz 3 vor Braunkohle mit 100 Mrd.

Abbildung oben: Titelblatt der Studie „Was Strom wirklich kostet“.

Diagramm unten: Aus der Studie geht hervor, dass eine „Konventionelle-Energien-Umlage“ 2016 bei 11,4 Cent pro Kilowattstunde hätte liegen müssen (gelber Balken). Es gibt eine solche Umlage aber nicht. Die Kosten für Kohle, Atom & Co. werden von der Allgemeinheit getragen und damit von allen Steuerzahlern. Die Kosten für Erneuerbare Energien werden dagegen mit mehr als 6 Cent pro kWh auf den Strompreis aufgeschlagen (dunkelblauer Balken).

  • EEG-Umlage 2016, pro kWh: 6,35 Cent
  • „Konventionelle-Energien-Umlage“, 2016: 11,4 Cent

Fazit der Studie „Was Strom wirklich kostet:“

Die Energiewende ist kein Kostentreiber

So kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Energiewende kein Kostentreiber ist. Im Gegenteil: Die Energiewende weise eine positive gesamtwirtschaftliche Bilanz auf. Das heißt: Die Gesellschaft spare, so die Studienautoren, am Ende durch die Energiewende Geld, und zwar 50 Mrd. EUR allein bis 2030. Später noch viel mehr.

Das sind Zahlen, die nicht nur Menschen, die an der Wirtschaftlichkeit der Energiewende zweifeln, interessant finden dürften – und die zeigen, dass Strom aus regenerativen Energien am Ende nicht teurer ist, sondern günstiger.

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